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 Lustisch
olly Offline




Beiträge: 115

14.12.2007 10:02
Ratgeber für den Umgang mit Blinden Antworten

Er ist gedacht für alle Sehenden, Freiwilligen und Hilfswilligen.
Die nachfolgenden Tips und Ratschläge im Umgang mit Blinden und stark Sehbehinderten sind als verbindlich zu betrachten. Sie erleichtern diesem Personenkreis das Leben ungemein.
Zu verschiedenen Themen gibt es eine kurze Hilfestellung für aufdringliches und unwirksames Verhalten...

Vorwort
Wieso haben Sie in Ihrer Familie eigentlich keinen Blinden oder stark Sehbehinderten?
Wenn ja, ist es besser, wenn Sie diesen Ratgeber überhaupt nicht lesen oder ignorieren, damit Sie ja nicht in die Lage kommen, vielleicht jemandem zu helfen, der einen weissen Stock trägt oder mit einer gelben Armbinde mit 3 schwarzen Punkten gekennzeichnet ist...
Helfen allgemein!

Wieso ausgerechnet ich? Der soll doch sehen, wie er weiterkommt.
Ich weiss ja gar nicht, wie ich ihn behandeln soll und ausserdem habe ich keine Handschuhe dabei. Kann der überhaupt sprechen? ?

Richtiges Führen
Begegnen Sie einem Sehbehinderten oder Blinden, so überlegen Sie genau, ob Sie Ihre wertvolle Hilfe anbieten wollen. Wenn Sie sich wirklich dazu herablassen, so sprechen Sie das unbekannte Objekt keinesfalls an, sondern zerren Sie den manchmal erstaunten und ratlosen Menschen vor sich über die Strasse. Jeder Sprachkontakt sollte tunlichst vermieden werden, da dies nur aufhält und Ihre wertvolle Zeit verloren geht. Wichtig ist, dass Sie sich beim Blinden richtig fest an seinen Arm krallen, damit Sie bei dieser selbstlosen und gefährlichen Tätigkeit sich nicht selbst noch verletzen. Sollte der Blinde allerdings die Frechheit haben, und Ihre gutgemeinte Hilfe einfach ablehnen, so holen Sie aus Ihrem tiefsten Inneren die ärgsten Schimpfworte hervor und werfen Sie dem verdutzten an den Kopf. Beim Gehen durch eine enge Stelle oder eine Türe schubsen Sie den verdutzten vor sich her. Das ist für Sie ungefährlich...

Der Schutzengel
Ist es Ihnen allerdings zu mühsam, direkt Hilfe anzubieten, können Sie den Blinden ruhig fernsteuern. Dies ist auch Publikumswirksam und man sieht ja Ihren guten Willen. Wenn Sie Ihre Kommandos erteilen, strengen Sie Ihre Stimmbänder aber nicht zu sehr an, denn das ist den Aufwand nicht wert...

Überqueren von Strassen
Hierzu ein praktisches Beispiel. Der Verkehrsteilnehmer steht am Gehsteig. Sprechen Sie Ihn nicht an. Packen Sie Ihn einfach am Arm und schleppen Sie Ihn über die Strasse, egal, ob er will oder nicht. Sollte es sich herausstellen, dass er die Überquerung nicht geplant hat, lassen Sie Ihn einfach mitten auf der Fahrbahn stehen und gehen Ihrer Wege. Undank ist ja auch der Welt Lohn...

Gehsteige und Treppen
Beim Hinauf- oder Herabsteigen von Treppen ist es nicht nötig, den Blinden verbal darauf aufmerksam zu machen, denn das Stolpern hinauf oder herab merkt er sowieso selbst. Besteht die Wahl zwischen Treppe oder Rolltreppe, so treffen Sie die Entscheidung selbst. Es ist ja nicht garantiert, dass der Blinde überhaupt in der Lage ist, eine Rolltreppe zu benutzen. . Ein bisschen Sportlichkeit schadet so einem Rumhocker auch nicht.
Benutzung öffentlicher Verkehrsmittel.
Wenn Sie bemerken, dass ein Blinder ein öffentliches Verkehrsmittel benützen oder aus diesem aussteigen will, stellen Sie sich am besten auf die Stufen und versuchen, Ihn hinein oder herauszuheben. Besonders hilfreich ist es, wenn Sie Ihre Finger in seinen Arm krallen, damit er nicht stürzen kann. Wichtig ist auch, dass Sie die übrigen Mitfahrenden lautstark um Rücksichtnahme bitten und dabei auf Ihre aufopferungsvolle und selbstlose Situation hinweisen. Handelt es sich bei dem Blinden um ein besonders unmobiles Individuum, so zögern Sie nicht, Hilfe anzufordern. Heben Sie ihn dann zu zweit oder zu dritt wie einen Kinderwagen aus der Strassenbahn. In einem Verkehrsmittel hat ein Blinder prinzipiell immer zu sitzen, denn so gefährdet er am wenigsten die mitfahrenden Personen. Sollte er es wagen, einen Sitzplatz abzulehnen,so weisen Sie ihn in schroffestem Ton darauf hin, welche Gefahr er eigentlich darstellt. Sollten Sie sich die Mühe antun, einen Blinden in Ihrem eigenen Auto zu transportieren, so ist es nicht nötig, dass Sie Ihn darauf hinweisen, dass er sich beim Einsteigen bücken oder auf seinen Kopf achtgeben soll, denn er wird es alsbald schmerzvoll spüren. Das Angurten im Auto übernehmen Sie selbstverständlich persönlich, denn der Blinde sieht ja nicht, was zu tun ist...

Die richtige Richtung
Wenn Sie einem Blinden etwas zeigen wollen, so genügt es vollständig, mit den Händen oder mit den Augen darauf hinzuweisen. Wenn Sie verbal darauf hinweisen wollen, so genügen die Worte DA oder DORT. Schliesslich und endlich ist es nicht zuviel verlangt, dass der Hilfesuchende auch mitdenkt...

Wo ist mein Mantel
Bei Zusammenkünften in Zügen oder Gaststätten nehmen Sie dem Blinden, höflich wie Sie nun einmal sind, Mantel und Hut ab. Beim nach Hause gehen oder Aussteigen aus der Bahn ist es höchst unterhaltsam, wenn ein Blinder seine Sachen sucht und nicht findet...
Bedauern Sie einen Blinden. Wenn es Ihnen widerfahren sollte, einen Blinden zu führen, geben Sie Ihrem Bedauern freien Lauf. Ein Blinder freut sich sicher über Ihre Anteilnahme, wenn Sie zum Beispiel fragen: Sind Sie blind? Ganz blind? Haben Sie nie gesehen? Das ist doch furchtbar! Wie können Sie überhaupt damit leben? ich würde mich umbringen. Man weiss Ihr Mitgefühl zu schätzen. Entrüsten Sie sich aber bis ins unermessliche, sollte der Blinde sagen: "Ich bin doch nicht blind, ich kann doch nur nicht sehen". Oder: "Ich bin doch nur blind, aber nicht blöd". Oder: "Ich bin zwar behindert, aber noch lange nicht verhindert"...

Rätsel-Spiele
Ein Blinder schätzt es ganz besonders, wenn Sie sich Ihm nähern, Ihm auf die Schulter klopfen und Ihn fragen: Wer bin ich? Sollte er Sie nicht erkennen, geben Sie Ihrer Enttäuschung ausdruck indem Sie Ihn darauf hinweisen, dass er Sie doch eigentlich kennen müsste, wo Sie Ihn vor 2 Jahren das letzte Mal getroffen haben. .

Blinde sind unmündig
Treffen Sie einen Blinden mit Begleitung an, fragen Sie immer diese, was der Bedauernswerte gerne möchte, oder wie man Ihm wohl am besten helfen könne. Sprechen Sie den Blinden in Gegenwart seiner Begleitung dann nie mit dem Namen, sondern immer in der dritten Person an. Sie bauen damit ein herzliches Verhältnis zu Ihm auf...
Machen Sie sich auf keinen Fall bemerkbar. Bei Strassenlärm, einem lauten Lokal oder im Stimmengewirr vieler Menschen ist es für einen Blinden unnötig, zu wissen, ob sein Gesprächspartner noch da ist. Es ist besonders ergötzlich, wenn er dann zu einem leeren Stuhl spricht. Es genügt in solcher lautstarken Situation auch vollkommen, wenn Sie im Gespräch mit dem Kopf nicken oder lächeln.

Beim Einkaufen
Wenn Sie einem Sehbehinderten beim Einkaufen behilflich sind, treffen Sie selbst für Ihn die Auswahl. Schliesslich muss erfroh sein, dass Ihm überhaupt jemand hilft. Da ein Vollblinder keinerlei Ahnung von Farben hat, treffen Sie für Ihn die Entscheidung, ohne eine nichtsbringende Diskussion zu führen. Beim Zahlen tätigen Sie einfach einen Eingriff in die Brieftasche des Blinden. Er kennt die Geldscheine sowieso nicht. Sollte es vorkommen, dass ein Sehbehinderter selbst zahlt, knüllen Sie Ihm die Geldscheine einfach in die Hand. Wie er sie sortiert und wie er damit zurechtkommt, ist seine Sache.

Der Spaziergang
Sollten Sie zufällig einmal einen Blinden treffen, der ohne Begleitperson einen Spaziergang unternimmt, so gehen Sie ruhigen Gewissens auf Ihn zu und schieben ohne Vorwarnung Ihm ein Stückchen Schokolade oder Bonbon in den Mund. Er wird Ihnen Ihre Zuvorkommenheit danken. Auch gegen eine Geldspende ist er sicher nicht abgeneigt...

Die Toilette
Bittet Sie ein Sehbehinderter beim Aufsuchen eines WC’s, sollten Sie Ihre Hemmungen zum Ausdruck bringen. Lässt es sich aber wirklich nicht vermeiden, führen Sie Ihn bis zur Kloschuessel und seien Sie Ihm auch beim Entledigen der Kleidung behilflich...

Das Vorlesen
Der Blinde ist in den meisten Fällen darauf angewiesen, dass Ihm Texte vorgelesen werden. Beim Vorlesen privater Schriftstücke ist es ratsam, sich zuerst einen Überblick über das Geschriebene zu machen, wobei Sie sich passender Kommentare nicht enthalten sollten. In den meisten Fällen genügt es, wenn Sie dem Blinden anschliessend eine kurze Zusammenfassung des von Ihnen vorher studierten Schriftstückes geben, um Ihn nicht mit lästigen Details wie zum Beispiel Kontostände zu ueberfordern. Aus Zeitungen und Zeitschriften lesen Sie nur das, was Sie selbst interessiert... Andere Informationen sind für den Blinden sowieso nicht interessant.

Ordnung
Wie schon ein altes Sprichwort sagt, ist nur der zu faul zum Suchen, der Ordnung hält. Besonders interessant ist es, wenn Sehbehinderte Dinge suchen, die sie, in guter Absicht, versteht sich, erfolgreich irgendwo verstaut haben. Wenn Sie mit einem Sehbehinderten Die Wohnung teilen müssen, brauchen Sie Türen und Fenster nicht zu schliessen, denn die erste schmerzhafte Kontaktnahme zwingt den Mitbewohner, vorsicht walten zu lassen. Besonders angenehm für den Blinden ist auch das Fussbad, das er nehmen darf, wenn Sie einen Eimer mitten im Zimmer Stehen lassen. Belebend ist es auch für den Blinden, wenn er in der Wohnung auf einen liegengelassennen Besen oder eine Schaufel tritt, und der Stiel ihm dann ins Gesicht springt.

Im Krankenhaus
Ärzte und Schwestern sollten Fragen an einen Blinden immer an dessen Begleitperson richten. Das Essen oder die Medikamente stellen oder legen Sie im Krankenzimmer an irgend einen Platz ab. Sollte der Patient das Essen nicht anrühren, weil er es nicht bemerkt hat, gehen Sie davon aus, dass er nichts möchte und servieren Sie wieder ab. .

Schlusswort
Lassen Sie es sich auf keinen Fall bieten, wenn ein Blinder Ihre Hilfe bestimmt ablehnt, sollte der doch froh sein, wenn man sich seiner überhaupt annimmt. Sollte diese Unverschämtheit wirklich einmal eintreffen, so hüten Sie sich davor, jemals wieder einem Blinden zu helfen, gleich in welch schwieriger Situation sich dieser befindet. Schliesslich gilt das Sprichwort: Einer für alle, alle für einen. . Selbstverständlich erhebt dieser Ratgeber keinen Anspruch auf Vollständigkeit. Es gibt noch genug Peinlichkeiten, die Ihnen im Umgang mit Blinden passieren können. Viel Erfolg weiterhin.

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